Der Boden kühlt zuerst aus: September, nackte Füße und die erste Heizkostenrechnung
Draußen sind es immer noch zwanzig Grad, die Heizung startet erst in einem Monat und heute Morgen verkündete der Fuß auf dem Boden, dass es Herbst ist. Der Boden kühlt vor der Luft und vor uns ab. Was genau passiert zwischen den Füßen und dem Boden, warum wird am Thermostat darauf geachtet und was hat eine Wollschicht damit zu tun?

Es gibt diesen Moment, irgendwann Mitte September: Man steigt aus dem Bett, setzt den Fuß aufs Parkett und weiß, dass der Sommer vorbei ist. Der Kalender hat es vor zwei Wochen angekündigt, die Wettervorhersage vor einer Woche. Aber der Mensch glaubt erst seinen Füßen. Ein Fuß liest keine Prognosen. Er misst.
Und er misst genau. Draußen sind es noch um die zwanzig Grad. Der Mantel hängt unbenutzt im Schrank. Aber am Boden ist schon Herbst. Denn der Boden kühlt vor der Luft aus, vor den Wänden und lange bevor jemand beschließt, die Heizung einzuschalten.
Warum der Boden zuerst auskühlt
Der Fußboden liegt auf der kältesten Schicht der Wohnung. Darunter: Beton, die Decke des Nachbarn oder das Erdreich. Nichts davon verfolgt begeistert den Wetterbericht. Die Sonne erwärmt die Raumluft durchs Fenster innerhalb einer Stunde. Die Platte unter dem Parkett wärmt bis Mitte Oktober niemand.
Außerdem steigt warme Luft nach oben. Das ist das eine physikalische Gesetz, das alle kennen und niemand auf die eigene Wohnung anwendet. In einem 2,6 Meter hohen Zimmer sammelt sich die warme Luft unter der Decke und wärmt die Kronleuchter. Unten, bei den Füßen, Kindern und Hunden, bleiben die Reste.
Nicht die Kälte entscheidet, sondern die Wärmeleitung
Hier muss man zwei Dinge unterscheiden, die der Fuß nicht auseinanderhält. Die Fliesen im Bad und das Parkett im Zimmer können genau dieselbe Temperatur haben. Trotzdem fühlen sich die Fliesen „eiskalt“ an und das Parkett nur „frisch“. Der Unterschied liegt nicht in den Temperaturwerten, sondern darin, wie schnell das Material der Haut Wärme entzieht.
Stein und Keramik leiten Wärme schnell ab, Holz langsamer, Wolle kaum. Auf Wolle spürt der Fuß deshalb nicht die Temperatur des Bodens, sondern seine eigene. Einen großen Teil des Volumens machen die Lufteinschlüsse in den gekräuselten Wollfasern aus. Ruhende Luft ist der beste Isolator, den die Natur kostenlos anbietet. Das weiß das Schaf seit elftausend Jahren. Deshalb verbringt es den Winter draußen. Ohne Beschwerden.
Was ein warmer Boden am Thermostat bewirkt
Die Normen zur thermischen Behaglichkeit, nach denen Büros und Krankenhäuser geplant werden, nennen ausdrücklich die Bodentemperatur: Angenehm ist es ungefähr zwischen 19 und 29 Grad. Darunter beginnt das, was fachlich „Unbehagen durch einen kalten Fußboden“ heißt. Zu Hause sagt man: „Mach doch mal die Heizung an.“
Und damit passiert der erste Fehler der Saison. Die Füße sind kalt, aber behandelt wird der Raum. Der Thermostat wandert um ein oder zwei Grad nach oben. Die Luft unter der Decke wird noch wärmer. Die Füße stehen weiterhin auf demselben Boden. Den Unterschied sieht man auf der Rechnung. Energieexperten rechnen mit ungefähr sechs Prozent mehr Verbrauch pro zusätzlichem Grad. Jeden Monat. Den ganzen Winter. Für ein Paar kalte Füße ist das eine teure Lösung.
Viel günstiger ist eine Materialschicht zwischen Fuß und Boden, die keine Wärme ableitet. Sie heißt Teppich. Keine neue Erfindung. Nur eine, die zwischenzeitlich in Vergessenheit geraten ist.
Warum ein dünner Teppich nicht genügt
Unter einem fünf Millimeter dünnen Kunstfaserteppich liegt derselbe kalte Boden wie zuvor. Er ist bloß bedeckt. Die Wärme geht hindurch wie durch einen Vorhang. Das fühlt sich besser an als eine Fliese. Aber nicht wesentlich.
Bei zwei Zentimeter starker Wolle liegen zwischen Fuß und Beton zwei Zentimeter eingeschlossene Luft. Das ist keine bloße Abdeckung mehr, sondern eine isolierende Schicht. Der Fuß versteht das vor dem Kopf. Aus demselben Grund wärmt eine Wolldecke, eine ebenso dicke Plastiktüte dagegen nicht.
Wo ein Teppich im September am meisten bewirkt
Nicht in der Zimmermitte, sondern dort, wo Sie barfuß stehen. Neben dem Bett, auf Ihrer Aufstehseite. Denn der erste Bodenkontakt des Tages entscheidet mit darüber, wie der Morgen beginnt. Im Kinderzimmer: Kinder stehen nicht nur auf dem Boden, sie sitzen und liegen dort. Der Boden ist für sie das, was für Erwachsene das Sofa ist. Im Wohnzimmer unter dem Couchtisch, wo die Füße den Abend ohne Hausschuhe verbringen. Weil die Hausschuhe gerade woanders sind.
Alles andere ist Ästhetik. Darüber haben wir an anderer Stelle geschrieben. Hier geht es um Physik.
Veldor im September
Unsere Teppiche werden von Hand aus 100 % Schafwolle gefertigt. Zwei Zentimeter stark. Nicht, weil sich das gut liest. Sondern weil Wolle unterhalb dieser Stärke nicht die Aufgabe erfüllt, für die das Schaf sie überhaupt trägt.
Wenn Sie jetzt bestellen, kommt Ihr Teppich ungefähr dann, wenn auch die Zentralheizung wieder anspringt. Nur stellt er seinen Dienst im April nicht ein.
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