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Ein zu kleiner Teppich: der Fehler, den alle sehen, aber niemand benennen kann

Die Couch ist gut, der Tisch ist gut, die Beleuchtung ist gut, aber der Raum sieht immer noch so aus, als ob etwas nicht am richtigen Platz wäre. In neun von zehn Fällen ist der Teppich schuld, und zwar nicht wegen der Farbe, sondern wegen der Größe. Wie man einen Teppich für Wohnzimmer, Schlafzimmer und Esszimmer dimensioniert und warum „160 × 230“ keine universelle Antwort ist.

Wir alle kennen so ein Zimmer. Ein gutes Sofa, ein schöner Tisch, die Leuchten aus Mailand. Und trotzdem sieht es aus, als würde gerade jemand einziehen. Oder langsam wieder ausziehen. Man kann nicht genau sagen, woran es liegt. Aber etwas stimmt nicht.

In neun von zehn solchen Zimmern liegt der Schuldige auf dem Boden. Es geht weder um Farbe noch um Muster. Es geht um die Größe. Der Teppich ist zu klein. Dieser Fehler ist so häufig, dass er beinahe zum Standard geworden ist.

Woran man einen zu kleinen Teppich erkennt

Man erkennt ihn leicht: Vor dem Sofa liegt etwas, das wie eine Fußmatte wirkt, die sich ins Wohnzimmer verirrt hat. Das Sofa berührt sie nicht. Die Sessel betrachten sie aus der Ferne. Der Couchtisch sitzt darauf wie auf einem Floß. Statt die Möbel zu verbinden, trennt der Teppich sie. Das Zimmer hat ein Einrichtungsstück mehr. Eines, das keine Aufgabe erfüllt.

Der Grund ist fast immer derselbe. Gekauft wird nach Preisgefühl statt nach Raumgefühl. Der kleinere Teppich kostet weniger und sieht im Geschäft ganz ordentlich aus. Also nimmt man ihn mit. Erst zu Hause, wenn er ausgerollt ist, fällt auf: Das Geschäft hat eine dreißig Meter hohe Decke. Dort sieht alles klein aus.

Eine Regel, die die meisten Fragen klärt

Ein Teppich bedeckt nicht einfach den Boden. Er definiert einen Bereich. Das ist das ganze Geheimnis. Daraus ergeben sich die Maße.

Im Wohnzimmer ist dieser Bereich die Sitzgruppe. Der Teppich sollte deshalb so groß sein, dass mindestens die Vorderbeine des Sofas und aller Sessel darauf stehen. Aus drei Möbeln, die zufällig im selben Zimmer gelandet sind, wird eine Einheit. Wenn der Platz reicht, darf die gesamte Sitzgruppe auf dem Teppich stehen, mit Raum zum Gehen rundherum. Dann wirkt das Zimmer, als hätte jemand nachgedacht. Nicht bloß eingekauft.

Für ein durchschnittliches, zweieinhalb Meter breites Sofa mit zwei Sesseln ist ein Teppich von 160 × 230 cm zu klein. Er ist nicht schlecht, sondern für eine kleinere Sitzgruppe gedacht. Hier sollten Sie eher mit 200 × 300 cm rechnen. In großen Räumen auch mit mehr.

Schlafzimmer: Das Bett bildet die Mitte, nicht den Rand

Im Schlafzimmer passiert der Fehler in anderer Form. Der Teppich liegt einseitig neben dem Bett wie ein Läufer. Morgens findet ihn der Fuß. Nachmittags bemerkt ihn niemand.

Besser ist ein Teppich, der unter den unteren zwei Dritteln des Bettes liegt und seitlich sowie am Fußende hervorragt. Wenn Sie aufstehen, berühren Ihre Füße zuerst Wolle. Egal auf welcher Seite. Bei einem 180 cm breiten Doppelbett bedeutet das: mindestens 250 cm Teppichbreite und genügend Länge, damit am Fußende noch ungefähr sechzig Zentimeter Teppich überstehen.

Die Nachttische können auf dem Teppich stehen oder daneben. Beides ist in Ordnung. Ungünstig ist nur ein Teppich, der irgendwo unter der Bettmitte endet. Wo man ihn erst beim Wechseln der Bettwäsche wiederfindet.

Esszimmer: Mit zurückgezogenen Stühlen messen

Der häufigste Fehler im Esszimmer: Man misst den Tisch. Dabei ist der Tisch gar nicht das Problem. Es sind die Stühle.

Ein Stuhl wird bei jeder Mahlzeit zweimal zurückgezogen: beim Hinsetzen und beim Aufstehen. Genau in dieser Position müssen seine Hinterbeine noch auf dem Teppich stehen. Rutschen sie über die Kante aufs Parkett, bleiben sie beim nächsten Aufstehen daran hängen. Mit der Zeit wird der Teppich zum Tisch gezogen und verzieht sich. Messen Sie deshalb den Tisch mit zurückgezogenen Stühlen. Rechnen Sie auf jeder Seite ungefähr siebzig Zentimeter hinzu. Ein Tisch von 90 × 180 cm braucht etwa einen Teppich von 240 × 330 cm. Das klingt groß. Bis man nachmisst. Dann erscheint es als einzige sinnvolle Größe.

Wenn kein Standardmaß zum Raum passt

Und das Standardmaß passt fast nie. Wohnungen haben schwierige Ecken, Heizkörper an ungünstigen Stellen und Durchgänge, die frei bleiben müssen. Standardmaße wurden dafür gemacht, Teppiche im Regal zu stapeln. Nicht dafür, in Ihr Wohnzimmer zu passen.

Ein handgefertigter Teppich hat einen Vorteil gegenüber einem maschinell gefertigten: Sein Rahmen wird an die Bestellung angepasst. Länge und Breite stehen nicht vorher fest. So kann der Teppich genau zu Ihrer Sitzgruppe passen. Zu Ihrem Bett. Zu Ihrem Esstisch mit zurückgezogenen Stühlen. Das ist kein besonderer Luxus, sondern eine Folge der Herstellung. Wenn ohnehin fünfunddreißig Tage lang Knoten für Knoten gearbeitet wird, sind ein paar Zentimeter mehr oder weniger kein Problem.

So messen Sie richtig

Die zuverlässigste Methode braucht nur Klebeband. Kleben Sie den geplanten Teppichumriss auf den Boden und leben Sie ein oder zwei Tage damit. Setzen Sie sich aufs Sofa. Ziehen Sie einen Stuhl zurück. Stehen Sie aus dem Bett auf. Wenn Ihre Füße regelmäßig außerhalb der Markierung landen, ist der Teppich zu klein. Klebeband ist günstig. Ein Teppich in der falschen Größe nicht.

Und noch etwas: Runden Sie nicht nach unten ab. Wenn Sie zwischen zwei Größen schwanken, ist fast immer die größere richtig. Noch nie hat jemand ein Zimmer betreten und gedacht, der Teppich sei zu groß. Dass er zu klein ist, haben alle schon mindestens einmal gedacht.

Veldor und das richtige Maß

Wir fertigen unsere Teppiche aus 100 % Schafwolle von Hand. Und eine Hand kennt keine Standardmaße. Deshalb fertigen wir auch nach Maß. Passend zu dem Raum, in den der Teppich kommt. Nicht zu dem Regal, aus dem er verkauft werden soll.

Denn ein Teppich in der richtigen Größe fällt nicht auf. Der Raum fällt auf.


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